E-Learning: Einführung in die lateinische Metrik

 


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"Hexameter"

 

 

 

2.2 Muta cum Liquida

Im vorangehenden Kapitel wurde als Grundregel für die Prosodie festgehalten, dass eine auf zwei oder mehr Konsonanten endende Silbe in der Regel lang ist. Abweichend davon können in der lateinischen Dichtung (und ähnlich auch in der griechischen) Verbindungen von einem Verschlusslaut (= Muta: p, t, c, b, d, g) oder von der Frikative f mit einer Liquide (l, r) und selten auch mit einem Nasal (m, n) eine vorangehende Silbe längen oder nicht. (Dies gilt nicht für die umgekehrte Folge, d.h. Liquide mit anschliessender Muta: Diese Kombination bildet immer Position.) Für diese metrische Erscheinung hat sich als Begriff ‚Muta cum Liquida‘ eingebürgert, was auch in dieser Einführung verwendet wird, obwohl nach heutiger Terminologie Nasale und eine Frikative von diesem Phänomen ebenfalls betroffen sein können. Ein eindrücklickes Beispiel für die Behandlung von Muta cum Liquida liefert der folgende Hexameter aus Vergils Aeneis (2,663):

natum ante ora patris, patrem qui obtruncat ad aras.

Die metrische Struktur ist zu beschreiben als 1 ‒ ‒, 2 ‒ ⏑ ⏑, 3 ‒ ‒, 4 ‒ ‒, 5 ‒ ⏑ ⏑, 6 ‒ ×, die festen Längen im Hexamter sind an den folgenden Stellen einzuzeichnen: nāt(um) ant(e) ōra patrīs, patrēm qu(i) obtrūncat ad āras (zu den Elisionen in natum, ante und qui vgl. Kapitel 2.6). Somit längt Muta cum Liquida im zweiten Fall (pāt-rem), im ersten jedoch nicht (pă-tris).

Zwei Besonderheiten sind bei Muta cum Liquida zu beachten:

 

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